Leo Tolstoi – Fragmente


Tolstoi in 90 Minuten mit Verlängerung
Szenische Lesung am 27.7.2014, 18.00 Uhr
i-camp/neues theater münchen, Entenbachstr. 37, 81541 München
Ramon H. Arbutina und Esel “ISCHAK“ (ишак) der Weise

Kindheit, Knabenjahre, Jungendzeit (1851/57), Sewastopol (1855/56), Luzern (1857), Familienglück (1859), Polikuschka (1861), Die Kosaken (1863), Krieg und Frieden (Urfassung 1867), Der Gefangene im Kaukasus (1872), Anna Karenina (1877), Der Leinwandmesser (1863/1886), Meine Beichte (1882), Rede gegen den Krieg (1983), Worin mein Glaube besteht (1883), Ivan der Dumme (1886), Das Kaffeehaus von Surant (1887), Wo Liebe ist, da ist auch Gott (1885), Der Tod des Iwan Iljitsch (1886), Auferstehung (1899), Was ist Geld? (1901), Über Erziehung und Bildung (1902), Krieg und Revolution (1904), Für alle Tage (1904), Das Ende eines Zeitalters (Die bevorstehende Umwälzung) (1906), Hadschi Murat (postum 1912), Der lebende Leichnam (postum 1913) ...

Ich verspreche Euch einen spannenden Abend bei Brot, Salz und Tee für jung und alt. Mein Esel ISCHAK – ein ausgewiesener “Tolstoiversteher“ (er hört mir immer zu) – wird mich tatkräftig unterstützen.
“Tolstoi in 90 Minuten mit Verlängerung“ ist wie “In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne, oder der Rekord von Jimmy Johnson, den Louvre in 9 Minuten und 45 Sekunden zu besichtigen, getoppt von der “Außenseiterbande“ aus dem Film “Bande à part“ (1964), Drehbuch u. Regie  Jean-Luc Godard. Immerhin hat sich der Rekord 39 Jahre gehalten. Im Film “Die Träumer“ (2003), Regie Bernardo Bertolucci wurde der alte Rekord gebrochen, mit einer neuen Rekordzeit von 9 Minuten und 27 Sekunden. Jean-Luc Godard hat seine Niederlage persönlich eingestanden.
Mein Lieblingsmärchen ist “Ivan der Dumme“ (1886), gerade mal 36 Seiten, verglichen mit “Krieg und Frieden“ (1867) 2037 Seiten, ultra kurz. Ich habe beide sehr aufmerksam gelesen, also kann ich es vergleichen. Oder “Das Kaffeehaus von Surant“ (1887), gerade mal 8 Seiten, die Botschaft der Ringparabel in Kurzform.

In den letzen Jahren beschäftigte sich Tolstoi mit Lebensanleitungen “Für alle Tage“ des Jahres

27. Juli
Wissen ist Mittel und nicht Zweck.

Wer Kenntnisse erwirbt, sie aber nicht anwendet, gleicht einem, der pflügt, aber nicht sät.
Saadi


Ein Besuch bei Tolstoi … Graf Tolstoi ist gerade mit seinem Werk „Was ist Kunst?“ fertig geworden. „Ich dachte mehrere Jahre über dieses Werk nach“, sagte der Graf, „aber das Werk wollte in meinem Gehirn nicht reif werden. Um es niederzuschreiben, mußte ich große Studien machen. Volle eineinhalb Jahre arbeitete ich an demselben. Es ist ein großes Werk. Es tut mir nur leid, daß gerade ich über die Kunst schreibe, weil man sagen wird: „Das hat ja Tolstoi geschrieben, also sind es paradoxe Anschauungen!“ Es hat sich ja schon so eingebürgert, daß ich nur paradox schreibe. Wegen der Vorurteile befürchte ich, daß man die Wahrheit, die unbestreitbare Wahrheit, welche in meinen Ausführungen steckt, übersehen wird. Es wäre gut, wenn man sie wenigstens herausfühlte. (...)
André Bonnier besuchte Tolstoi in Moskau und veröffentlichte seine Aufsätze im „Temps“

Das schönste Grab der Welt … Ein kleiner rechteckiger Hügel im Wald, von Blumen übergrünt – nulla crux, nulla corona – kein Kreuz, kein Grabstein, keine Inschrift, nicht einmal der Name Tolstoi. Namenlos ist der große Mann begraben, der wie keiner unter seinem Namen und Ruhm litt, genau wie irgendein zufällig aufgefundener Landstreicher, ein unbekannter Soldat …
Stefan Zweig: Reise nach Rußland

Warum Tolstoi?
Warum schon wieder Tolstoi? Wo er doch so ausführlich zu seinem hundertsten Todestag 2010, so umfassend gewürdigt wurde.
Tolstoi hat sich selber immer wieder dieselben Fragen gestellt. Wer bin ich? Was bedeutet mein Leben? Was ist die Welt?

… „Je weiter ich im Alter voranschreite, und je mehr ich die Frage des Krieges durchdenke, desto überzeugter bin ich, dass die einzige Lösung der Frage die Weigerung der Bürger ist, Soldat zu werden.“

Lew Tolstoi, Quelle: An Bertha von Suttner, am 28. August 1901

Warum Krieg?
„Ein großer, hoher, dunkler Saal, beleuchtet nur von vier oder fünf Kerzen. Der Doktor geht umher, um die Verwundeten zu untersuchen, die auf dem Boden liegen. Auf Krankentragen werden ständig neue Verwundete gebracht. Alles ist mit Blut bedeckt. Man hört Schreie, Flüche. Einige Verwundete beten. Krankenschwestern mit ernsten Gesichtern trösten die Verwundeten und verteilen Medikamente und Wasser. Feldschere versuchen, Geschosse aus den Wunden zu entfernen unter lauten Schmerzensschreien. Einer der Ärzte sitzt nahe an der Tür hinter einem Tisch. Er registriert gerade den 532. Verwundeten. Ein anderer Arzt stellt Diagnosen „Fraktura femoris complicata“. Am Ende des Saales schreit ein Soldat: „Wo ist mein Bein?“ Weiter: „Perforatio capitis“. Der Doktor tastet mit einer Sonde die Wunde aus. „Perforatio pectoris“, moritur. „Er röchelt schon, bringt ihn weg von den Anderen.“
Aus eigener Erfahrung berichtet er vom Leid im Krim-Krieg, Sewastopol-Erzählungen (1855/56)

Zu meiner Person

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg in Temesvár, Banat geboren.
Eine Stadt nicht weit von der Donau, die nach Paris, Nürnberg, Steyr und Berlin zu den ersten Städten Europas mit elektrischer Straßenbeleuchtung gehört (1884).
In Zeiten meiner Kindheit waren Stromausfälle ganz normal. Jeder Haushalt war mit Kerzen und Petroleumlampen darauf vorbereitet.
Ende der 70 Jahre bin ich nach München gekommen.
Ausbildung als Kameramann und Tontechniker. Studium Kommunikationswissenschaften, Germanistik, Theaterwissenschaften. Gasthörer an der Filmhochschule München. In den letzten Jahren, beeinflusst von der FLUXUS Bewegung, meine Kunst-Happenings im Öffentlichen Raum: lariFIFAri - Arena der Erinnerung, Hot and cold, Out of work, White cube & bog-roll, ANTIPRISM iSeven (7) - Hommage an Allan Kaprow.

Wer mehr erfahren möchte kann sich im Internet unter WWW.RA-UTU.NET - schlau machen.

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Ramon H. Arbutina